Das Vinotheksgebäude (Vereinshaus)

Die Vinothek Horitschon ist im ältesten öffentlichen Gebäude des Ortes untergebracht.
1908 fasste die Gemeindevertretung den Beschluss, für ein Vereinshaus unentgeltlich den Bauplatz zur Verfügung zu stellen. Obwohl der Beschluss behördlich genehmigt war, wurde das Bauvorhaben von den Gegnern des Fortschritts boykottiert. Pfarrer Bauer nennt sie in seiner Chronik „Finsterlinge, die alles untergraben wollten!“
 
Weil nämlich im Jahr 1909 Gemeindewahlen bevorstanden, „agierten die Gegner des Vereinslebens mit solchen Mitteln, dass sie die Mehrheit erhielten. (Der Pfarrer bringt die Gemeinde um, will mit Gemeindeumlagen das Haus aufbauen usw.)“
 
Da der neue Gemeinderat in einer turbulenten Sitzung den Beschluss aufhob, den Bauplatz unentgeltlich zur Verfügung zu stellen, musste der Baugrund um einen teuren Preis gekauft werden.
Der Widerstand eines (wahrscheinlich nur geringen) Teiles der Bevölkerung gegen den Vereinshausbau war so heftig, dass der Stuhlrichter aus Ödenburg an Ort und Stelle den Streit um die Baulinie schlichten musste, wobei er bei weiterer Behinderung des Bauvorhabens mit dem Eingreifen der Gendarmerie drohte.
Die Baukosten beliefen sich auf 13.000 Kronen, wovon die ungarische Regierung 3.000 Kronen Subvention beisteuerte. Die Bausteine stellte der Patronatsherr der Pfarre Fürst Esterhazy unentgeltlich zur Verfügung; sie wurden auf den „Neubergern“ gebrochen und von den Fuhrwerken der Herrschaft Deutschkreutz und Vereinsmitgliedern zur Baustelle transportiert.
 1911 wurde das neue Vereinshaus endlich eingeweiht.
Eine intensive Bildungsarbeit setzte sofort nach Bezug des Gebäudes ein. Es wurden für alle Bevölkerungsschichten Fortbildungskurse abgehalten. Es ist erstaunlich wenn man hört, dass in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg bereits Lichtbildervorträge gehalten wurden.
Für viele Jahre diente das Vereinshaus, das neben der Kirche zu einem Wahrzeichen von Horitschon geworden ist, im Sinne seiner Gründer als örtliches Kulturzentrum, vorübergehend auch als Kindergarten, Schule und Milchsammelstelle, Gemeindeamt und Post.